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Kinderfreundliches Graffiti in Geldern

Am 9. November 2020 berichtete RP-Online über den Graffitikünstler Mattez Deckers und seinen Weggefährten Jan Tegelaers, die auf einer Trennwand in der Hülser-Kloster-Gasse in der Nähe der St. Michael-Schule ein Graffiti in Geldern im Unterwasserstyle erschufen.

Wie aus dem Nichts blieb diese junge Dame, vielleicht zehn Jahre alt, hinter ihm zurück und erzählte ungestüm ihren Gefährten: “Wissen Sie, was dieser Mann tut? Sie hob die gemalte Graffitiwand hervor. “Das nennt man Sachbeschädigung.” Mattez Deckers konnte seinen Ohren nicht trauen. “Sie sind doch nur ein Kind”, sagte er. “Wie würden Sie dieses Wort erkennen? Es ist ein Wort für Erwachsene.” Doch da waren seine Zuschauer gerade weitergegangen.
Deckers hatte gerade zahlreiche Trennwände in Geldern verbessert. Sowohl innen als auch außen. Als vorbereiteter Maler-Ass handhabt er Pinsel und Rollen in der Regel durch Rufen. Nach der Arbeit malt er weiter, dann aber mit Duschgläsern als Graffitikünstler. Deckers ist mit Hüftschwung aufgewachsen, war früher Skateboarder und hat eine Schwäche für den Blast Bap der 90er Jahre. Eigentlich stellt er sich auf Musik ein, und der 37-Jährige ist zudem konsequent beim Graffiti geblieben. “Die Splash-Gläser sind mein Instrument Nr. 1”, sagt er. Es gibt etwa 200 Töne. Das war’s, nehmen Sie den Deckel ab, und los geht’s.
Der folgende Show-Stopper von Mattez Deckers wird im Gelderner Jugendfokus “Checkpoint” gemacht. Gegen Ende des Jahres 2019 hatte er in dem dortigen kleinen Kontostudio gerade eine Trennwand geplant: ein Künstler mit einem Empfänger und dem Markenzeichen: “Make Your Life”. Zurzeit soll er die Trennwand im Bistro hinter der Theke schmücken, die rund sechs Meter breit und 3,50 Meter hoch ist. Die Anfrage kam von der jungen Gemeinde selbst. Chef Michael Kassner wollte sich nicht zu den Ausgaben, aber doch zum Gedankengang äußern: “Die Trennwand wurde von unseren Gästen von Zeit zu Zeit aufgewertet. Am Ende hatten wir ein etwas jugendlich-brillantes Thema. Gegenwärtig soll es durch den Namen der Stiftung ersetzt werden.
Ab und zu umgeht er die Zone und wirft einen Blick auf Graffiti-Wandmalereien, die seiner Meinung nach einen kleinen Tonfall vertragen könnten, sagt er. Im vergangenen Jahr hat er 50 Spray-Gemälde in der Stadt in Umlauf gebracht, jedes davon rechtmäßig, und ein großer Teil von ihnen wurde wieder abgedeckt. Deckers wurde mit einem Wandgemälde in der Stettiner Straße bekannt, auf dem eine Arzthelferin eine Tarnung trägt. Er widmete seine gewaltige Organisationsproklamation dem Kronennotstand “Schleierheiligen”. “Das Kunstwerk hängt zur Zeit ebenfalls in einer medizinischen Klinik in Hamburg”, lässt der Handwerker gerne wissen. “Die Mitarbeiter haben sogar Aufnäher anfertigen lassen und tragen sie auf ihren Insignien. 1000 Stück sind geliefert worden.
Sein jüngstes Werk ist weniger politisch und kann in der Hülser-Kloster-Gasse in unmittelbarer Nähe der St. Michaeler-Schule bewundert werden. Zuvor gab es einen sich auflösenden, neu zu gestaltenden Raumteiler, der lange Zeit mit einem Freibeuterthema ausgeschmückt war, das jedoch in Dunkelheit gehüllt war. “Die Eigentümer waren besorgt über die Möglichkeit, dass die Trennwand nach der Neugestaltung von Ganoven verbreitet werden könnte, und fragten mich, ob ich eine Idee hätte, wie ich damit umgehen könnte. Der Graffitikünstler aus Geldern durfte seiner Innovationsfreude freien Lauf lassen.
Der Trennsteg ist 20 Meter lang und 2,10 Meter hoch. Er erkundigte sich, ob er ihn unterstützen könne. “Die Spraypainting-Szene ähnelt der der Tätowierungsspezialisten”, sagte Deckers. “Jeder ist selbständig tätig, aber es gibt keine Opposition, nur einzelne Spezialisten, die da sind, wenn man sie darum bittet. Es war das Äquivalent zu Jan Tegelaers. Der Spritzlackierer lebt in Eindhoven, und angesichts der Tatsache, dass er nichts Besseres zu tun hatte, kam er für ein paar Tage nach Geldern. Tegelaers ist der bessere Buchstabenhandwerker, denkt Deckers, aber er kann besser malen. Da das Kunstwerk direkt in der Naehe der Schule steht, entschieden sie sich fuer ein nachbarschaftliches Thema. Ein untergetauchtes Bild: “Akzeptiere die Umstände als das, was sie sind” ist in großen Buchstaben darauf komponiert. Für Deckers ist es das richtige Markenzeichen für den aktuellen Crown-Umstand. “Einzelne können auf keinen Fall noch etwas anderes tun, als schweben.”
Beide haben in mehr als 40 Arbeitsstunden über 200 Duschgläser gespült, um die bildende Kunst zu vollenden. Zuerst muss der Grundton aufgetragen werden, bevor sie sich den Feinheiten hingeben konnten. Der Schattierungswinkel reicht von Türkis an der Basis bis Orange in den Spitzen. Für die untergetauchten Kreaturen wurde Deckers durch den Disney-Film “Discovering Dory” belebt, sagt er. Allein für die tiefgründig aufgelockerte Schildkröte Smash verbeugte er sich fünf Stunden lang vor der Trennwand und verwendete acht verschiedene erdige Farbtöne für den Panzer, so dass alles ziemlich dreidimensional aussieht. Ebenso vergötterte er den schrulligen Tintenfisch Hank und “Mr. Beam” auf der Trennwand. “In der Seitenstraße war eine Menge los”, sagt Deckers. “Die Kinder hatten das Gefühl, dass jede halbe Stunde Schule zu Ende war. Sehr viele Leute bevorzugten das Thema. Nur einer sagte: “Wo ist das Gemälde des Freibeuters hin?”

Quellen:
Fotografie von Herrn Norbert Prümen
Text von Herrn Dirk Weber
Veröffentlicht in RP-Online am 09.11.2020